Predigt Volksfest 2017 - Ev. Kirchengemeinde Bietigheim - Muggensturm - Ötigheim DREIEINIGKEITSGEMEINDE

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Gottesdienste > Andachten

PREDIGT (Blomenkamp)
Ich sitze im Auto.
Auf der A5 war ein Unfall in der Baustelle, 13 km Stau.
Die Bundesstraße ist dicht.
Mein Navi führt mich auf einen Schleichweg, aber auch da geht es nur stockend voran.
Vielleicht versuche ich es ganz außen rum.
Aber ist das nicht ein riesiger Umweg?
Das ist doch die falsche Richtung.
So komme ich ja nie an.
Will ich da jetzt eigentlich wirklich hin?
Ich könnte ja auch einfach wieder umkehren.
Wege des Alltags.
Wege des Lebens.
Es geht nicht voran.
Ich weiß nicht, ob die Richtung stimmt.
Ich bin nicht sicher, welches Ziel ich verfolgen soll.
Ich verliere die Orientierung.
Ich sehe gar nicht, dass die Sonne scheint.
Ich merke gar nicht, wer mir begegnet.
Schön wär’s, wenn ich eine Orientierungshilfe hätte.
Nicht nur ein Navi, das mich an Ziele bringt, die ich selbst eingegeben habe.
Sondern eins, das mir hilft, mich für die richtigen Ziele zu entscheiden. Eins, das mir Bescheid sagt, wenn ich auf dem falschen Lebensweg bin.
„Kehren Sie, wenn möglich, um."
So hat es Bileam erlebt, im vierten Buch Mose.
Bileam stand am Morgen auf und sattelte seine Eselin und zog mit den Fürsten der Moabiter.
Aber der Zorn Gottes entbrannte darüber, dass er hinzog. Und der Engel des HERRN trat in den Weg, um ihm zu widerstehen. Er aber ritt auf seiner Eselin, und zwei Knechte waren mit ihm.
Und die Eselin sah den Engel des HERRN auf dem Wege stehen mit einem bloßen Schwert in seiner Hand. Und die Eselin wich vom Weg ab und ging auf dem Felde; Bileam aber schlug sie, um sie wieder auf den Weg zu bringen.
Da trat der Engel des HERRN auf den Pfad zwischen den Weinbergen, wo auf beiden Seiten Mauern waren.
Und als die Eselin den Engel des HERRN sah, drängte sie sich an die Mauer und klemmte Bileam den Fuß ein an der Mauer, und er schlug sie noch mehr.
Da ging der Engel des HERRN weiter und trat an eine enge Stelle, wo kein Platz mehr war auszuweichen, weder zur Rechten noch zur Linken.
Und als die Eselin den Engel des HERRN sah, fiel sie auf die Knie unter Bileam. Da entbrannte der Zorn Bileams, und er schlug die Eselin mit dem Stecken.
Da tat der HERR der Eselin den Mund auf, und sie sprach zu Bileam: Was hab ich dir getan, dass du mich nun dreimal geschlagen hast?
Bileam sprach zur Eselin: Weil du Mutwillen mit mir treibst! Ach dass ich jetzt ein Schwert in der Hand hätte, ich wollte dich töten!
Die Eselin sprach zu Bileam: Bin ich nicht deine Eselin, auf der du geritten bist von jeher bis auf diesen Tag? War es je meine Art, es so mit dir zu treiben? Er sprach: Nein.
Da öffnete der HERR dem Bileam die Augen, dass er den Engel des HERRN auf dem Wege stehen sah mit einem bloßen Schwert in seiner Hand, und er neigte sich und fiel nieder auf sein Angesicht.
Bileam hat etwas vor und geht seinen Weg. Er sieht nichts und merkt nichts.
Er achtet nicht darauf, dass Gott ihm etwas sagen will.
Er kommt auch nicht ins Grübeln, als Ungewohntes passiert, sondern wird zornig und schlägt seine Eselin.
Erst als Gott den riesigen Scheinwerfer anstellt, versteht Bileam, was los ist. Und merkt, dass er nichts gemerkt hat.
So kann doch noch geschehen, was ein Dichter in den Psalmen zu Gott sagt:
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.
Gott warnt Bileam vor den Gefahren und  gibt ihm Tipps für die Zukunft.
Bileam setzt seinen Weg fort.
Kann das sein? Gottes Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg?
Jedenfalls ist es nach meiner Erfahrung kein riesiger Scheinwerfer und schon gar nicht ein lebenslanges Navigationsgerät.
Sondern – und das ist heute Morgen meine erste Muggensturmer These:
Gottes Wort auf unserem Weg ist wie die Stromkästen in Muggensturm.
Die Stromkästen in Muggensturm zu bemalen – das hat Britta Senft initiiert und der Kreativkreis Muggensturm hat dieses Projekt ab 2010 in die Tat umgesetzt: mit Unterstützung der Gemeinde Muggensturm und der eneregio.
Schon über 100 Stromkästen sind von vielen Bürgerinnen und Bürgern gestaltet worden.
Gottes Wort auf unserem Weg ist wie die Stromkästen in Muggensturm.
Klein und bunt, liebevoll und freundlich, unaufdringlich und treu ist es einfach da. Begleitet die Wege unseres Alltags und übernimmt dabei ganz unterschiedliche Aufgaben.
Gottes Wort kann uns aufmuntern.
Wie an der Hauptstraße die Aufforderung auf dem Stromkasten: Don’t worry, be happy. An der Seite steht noch die deutsche Übersetzung: Mach dir keine Sorgen, sei glücklich.
Oder der große Smiley an der Sofienstraße: breit und freundlich lächelt er mich an.
Die fröhlichen Luftballons hier am Festplatz.
Auch wenn es natürlich schwierig ist, auf Knopfdruck glücklich zu sein, kann so ein Hinweis doch unsere trüben Gedanken etwas zurechtrücken.
Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom:
Seid fröhlich in Hoffnung.
Gottes Wort kann uns beschenken und uns das Gute zeigen, das wir haben.
Wie die vielen Blumen auf den Stromkästen. Die rosarote Rose in der Wilhelmstraße. Die Margeriten in der Karlsruher Straße. Die Blumenwiese in der Luisenstraße und die Tulpen in der Gartenstraße.
Wie der Schmetterling am Kastanienweg.
Wie die vierblättrigen Kleeblätter, die die Seniorinnen und Senioren gegenüber vom Rathaus gemalt haben.
Ein Dichter schreibt in den Psalmen:
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Gottes Wort kann uns erinnern.
Ach ja, Peter und Heidi sitzen in der Vogesenstraße mit einer Ziege auf der Alm.
Die Biene Maja, Mickey Mouse, der Froschkönig.
Die Komponisten: Beethoven, Bach, Mozart, Wagner, Haydn.
Und in der Merkurstraße der Kleine Prinz, der versonnen auf seinem Planeten steht und die Sterne und den Mond betrachtet.
Was hat er nochmal gesagt:
Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
Ein ähnlicher Hinweis findet sich in der Bibel:
Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.
Gottes Wort kann uns ein Friedenszeichen sein.
Wie in der Friedensstraße die Friedenstaube und das Friedenssymbol. Die vielen bunten Flaggen in der Hauptstraße: Menschen unterschiedlichster Herkunft leben in Muggensturm friedlich zusammen. Die vielen Kinder, die sich in der Friedensstraße unter dem Regenbogen die Hand reichen.
Ist’s möglich, schreibt Paulus in seinem Brief nach Rom, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.
Gottes Wort kann uns Wegweiser sein.
In der Waldstraße steht ein leuchtend-bunter Stromkasten mit einem Hinweisschild: Kunstpfad.
Also dann: hier entlang. Ich folge dem Weg und lasse auf mich wirken, was mir auf dem Kunstpfad begegnet. Ich finde weitere Wegweiser. Freundlichkeit, steht da. Lächeln. Begegnung.
Wegweiser für mein tägliches Leben.
In der Bibel heißt es:
So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld.
Gottes Wort kann eine Herausforderung für mich sein.
Ich verstehe nicht gleich, ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll.
Wie diese Hunde an der Malscher Straße. Viele schwarze, die alle in die gleiche Richtung schauen. Nur der eine rechts unten ist rot und blicktt in die andere Richtung. Was ist da los? Es gibt viele Möglichkeiten.
Ich komme ins Grübeln.
Ein Dichter in den Psalmen schreibt:
Wie schwer sind für mich deine Gedanken, Gott!
Gottes Wort kann mich warnen.
Starkstrom! Lebensgefahr! steht auf dem kleinen Metallschild auf den Stromkästen.
Zwischen dem Bunten und Schönen, unter der Oberfläche der Normalität kann der Hass sich breitmachen und zu lebensgefährlichem Starkstrom entwickeln.
Daran erinnert uns die Weiße Rose auf dem Stromkasten in der Geschwister-Scholl-Straße.
Hans und Sophie Scholl haben - ebenso wie Dietrich Bonhoeffer - Widerstand geleistet gegen die Schrecken der NS-Zeit.
Paulus schreibt in seinem Brief nach Rom:
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.
Wenn ich in meinem Büro in der Beethovenstraße aus dem Fenster schaue, fällt mein Blick immer wieder auf den Engel. Frau Schadt und Frau Senft haben ihn gestaltet.
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gerade Dietrich Bonhoeffer hat angesichts des Bösen, das er erlebt hat, an seinem Vertrauen auf Gott festgehalten.
Gottes guten Mächte begleiten uns, wohin wir auch gehen.
Im Alltag und in unserem Leben.
Ich bleibe also bei meiner ersten Muggensturmer These:
Gottes Wort auf unserem Weg ist wie die Stromkästen in Muggensturm.
Es steht da: treu und verlässlich.
Es bietet sich an: bunt und vielfältig.
Es begleitet uns: auch wenn es schwierig und gefährlich wird.
Nehmen wir uns Zeit.
Sehen wir genau hin.
Schärfen wir unsere Sinne.
Spitzen wir die Ohren.
Damit wir verstehen, was Gott uns sagen will. Damit wir nicht im Zorn unsere Eselin schlagen oder vor Wut das Navi aus dem Fenster werfen.
Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg.
Amen.


 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü